Nähe im Distanzunterricht

Vor fast genau einem Jahr wurden die Schulen in Bayern geschlossen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Zunächst war angedacht, die Schulen für circa fünf Wochen zu schließen. Seither hat sich der Unterrichtsbetrieb, wie wir ihn bis dato kannten, verändert: Verbanden wir mit Unterricht bisher die Vermittlung von Wissen zwischen Lehrenden (Lehrerinnen und Lehrern) und Lernenden (Schülerinnen und Schülern) in einer Institution wie Schule oder Hochschule, lernen Schülerinnen und Schüler – je nach Pandemiegeschehen – in der Schule oder von zuhause aus. Neben dem klassischen Präsenz- gibt es Wechsel- bzw. Hybrid- oder Distanzunterricht. Auf diese neue Situation mussten sich alle Schulen schnell einstellen, auch wir am Dominikus-Zimmermann-Gymnasium mussten neue Wege des Lehrens und Lernens ausloten. 

Im März 2020 stellte der Kultusminister klar, dass zwar kein Unterricht in der Schule stattfinde, es aber keine Ferien seien. Der Minister kündigte an, den Kindern würden Materialien zur Verfügung gestellt, damit sie „zu Hause etwas Schulisches zu tun haben".

Abi-Einladung 2020 (Marit Hartmann)

Dass das Bereitstellen von Materialien bei uns am DZG so reibungslos funktionierte, lag daran, dass wir schon vor der Pandemie über das „Elternportal“ mit fast allen Eltern digital in Kontakt standen. So war es uns möglich, bereits am ersten Tag der Schulschließung fast allen Schülerinnen und Schülern Materialien und Lösungen digital zur Verfügung zu stellen. Parallel dazu nutzten die Lehrkräfte zum Materialaustausch die Lernplattform Mebis, in der Oberstufe auch E-Mails.

Von Anfang an war allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft bewusst: Unterricht ist weitaus mehr als der Austausch von Materialien und das Versenden von Erklärvideos. Guter, motivierender Unterricht lebt von gegenseitigem Austausch, von persönlichem Feedback und Nähe, gerade beim Distanzlernen.

Schnell begaben wir uns also auf die Suche nach Lösungswegen. Bis zur Erweiterung des Eltern- um das Schülerportal mit datenschutzrechtlich sicherer Chat- und Videofunktion behalfen wir uns eines herkömmlichen Kommunikationsmittels: des Telefons. In unsere große Telefonaktion waren alle Klassleiterinnen und -leiter sowie zahlreiche weitere Fachlehrkräfte eingebunden, so dass es uns gelang, Ende März 2020 noch vor den Osterferien einen persönlichen Kontakt zu allen Schülerinnen und Schülern herzustellen. Wir wollten hören, wie es Eltern und Schülerinnen und Schülern in der Phase des Distanzlernens ergeht, und konnten bei Bedarf individuelle Unterstützung anbieten. Es blieb aber nicht bei dieser einmaligen Telefonaktion: Viele Lehrkräfte boten neben der digitalen Kommunikation immer wieder Telefonsprechstunden an und schulten beispielsweise im Fremdsprachenunterricht in der Unterstufe die Aussprache neuer Wörter. 

Ein weiterer, wichtiger Schritt in der Kontaktaufnahme mit unseren Schülerinnen und Schülern war die Einführung des bereits oben erwähnten Schülerportals im April 2020. Es offeriert die Möglichkeit, täglich mit den Schülerinnen und Schülern über die Chat- und Videofunktion in direkten Kontakt zu treten. Und die „Hausaufgaben“-Funktion macht es möglich, dass zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern der unmittelbare Austausch von Materialien, abgegebenen und korrigierten Hausaufgaben stattfinden kann. Ohne administrativen Mehraufwand für die Lehrkräfte sind alle Arbeitsaufträge und Materialien zeitglich über das Eltern- und Schülerportal abrufbar.
Bei der Wahl der Kommunikationsplattformen sind uns zwei Dinge besonders wichtig: Klarheit der Kommunikationswege und Datenschutz. 

Dass jederzeit wieder mit Schulschließungen zu rechnen war, war uns zu Beginn des Schuljahres 2020/21 bewusst. Deshalb erarbeiteten wir im September 2020 auf der Grundlage der Vorgaben des Ministeriums das DZG-Konzept für den Distanzunterricht (pdf), das neben den am DZG eingesetzten Kommunikations- und Lernplattformen auch verbindliche Regeln für den Distanzunterricht enthält. Um die im Konzept genannten Fernbesprechungen umsetzen zu können, sind stabile Werkzeuge erforderlich. In Ergänzung des Videokonferenztools des Schülerportals setzen wir seit Januar 2021 auch die vom Ministerium bereitgestellte, datensparsame Variante von MS Teams primär für Videokonferenzen ein. 

Dass unser Konzept zum Distanzunterricht und die verwendeten Kommunikationswerkzeuge und -wege bei den Mitgliedern der Schulgemeinschaft auf breite Zustimmung stoßen, zeigt die jüngste Umfrage zum Distanzunterricht bei Lehrkräften, Eltern und Erziehungsberechtigten sowie Schülerinnen und Schülern. Im Austausch mit allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft evaluieren wir unser Konzept fortwährend und passen es an die aktuellen Gegebenheiten an. 

Vielen Dank an alle Mitwirkenden für ihren unermüdlichen Einsatz – nur im regen Austausch und Miteinander können wir die Herausforderungen, die mit den der Pandemie geschuldeten schnellen Veränderungen im Unterrichtsbetrieb einhergehen, stemmen.